Gastbeiträge

Ist regionaler Konsum automatisch nachhaltig?

In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach regionalen Produkten stark gestiegen. Regionalität ist so zu sagen ein neuer Megatrend, der auch das Umdenken der Gesellschaft widerspiegelt, in der ein nachhaltiger Konsum immer wichtiger wird.

Von 17. Mai 2021 No Comments

In der heutigen Gesellschaft gibt es immer mehr Trends, die einen nachhaltigen Konsum von Lebensmittel fördern. Immer mehr Menschen greifen zu Bioprodukten, ernähren sich vegetarisch oder gar vegan. In Österreich ist es vor Allem die Regionalität, die Konsumenten immer wichtiger wird, denn sie spielt eine wichtige Rolle bei einem nachhaltigen Konsum. Wer regionale Lebensmittel kauft unterstützt nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern auch die Umwelt. Das meiste Obst und Gemüse, das täglich auf dem Speiseplan steht, wird per Flugzeug transportiert, was sich durch hohe CO2-Emissionen negativ auf das Klima auswirkt. Lebensmittel aus der Region hingegen legen nur kurze Transportstrecken zurück. Bei einem importierten Apfel aus Chile wird 12-mal mehr Energie verbraucht als bei heimischen saisonalen Äpfeln. Insbesondere bei Flugtransporten ist der Energieverbrauch sogar 520-mal höher!

Darüber hinaus definiert man Nachhaltigkeit über wirtschaftliche und soziale Aspekte. Ein regionaler Konsum fördert transparente Produktionsketten und stärkt das Vertrauensverhältnis zwischen Produzenten und Konsumenten und somit auch unsere kulturelle Identität. Außerdem bedeutet Regionalität auch die Sicherung von Einkommen und Arbeitsplätzen.

Regional, aber bitte auch saisonal

Saisonal einzukaufen bedeutet Lebensmittel zu konsumieren, die zu der jeweiligen Jahreszeit in der Region bzw. im eigenen Land natürlich angebaut werden. Konsumiert man Produkte zwar regional jedoch außer Saison, wie beispielsweise im Winter regionale Erdbeeren, so sind diese mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Gewächshaus angebaut worden, welches für die Beheizung 34-mal mehr – in der regel fossile – Energie beansprucht als der Anbau auf dem Feld.

Ab wann gilt denn ein Produkt als „regional“?

Das große Problem, bei regionalen Produkten ist, dass der Begriff nicht klar definiert ist. Bio-Lebensmitteln bzw. Produkte mit einem Bio-Siegel haben strenge Auflagen und Richtlinien zu befolgen, um die Begriffsbezeichnen zu erhalten. Zwar gibt es auch bei regionalen Produkten vertrauenswürdige Label, wie die „Geschützte geographische Bezeichnung“ oder das “AMA Gütesiegel“, jedoch fehlt eine rechtliche Definition des Begriffes, die mit verbindlichen Kriterien bezüglich der Produkt- und Prozessqualitäten verbunden ist. Als Hauptkriterien werden oftmals geographische Grenzen, Anteil der regionalen Zutaten und regionale Wertschöpfung vorausgesetzt. Dennoch wird der Begriff teilweise irreführend benutzt. So werben Supermarktketten mit Regionalität und setzen den Begriff mit ganz Österreich gleich.

Selbst bei den Konsumenten scheiden sich die Geister. Für 72 % der Österreicher bedeutet Regionalität aus der unmittelbaren Umgebung, 59 % aus dem eigenen Bundesland und nur für 38 % sind Lebensmittel aus einer anderen Region in Österreich regional.

Regional ist aber nicht automatisch gleich zu setzen mit nachhaltig. Denn wer ein Kilogramm regionales Schweinefleisch aus konventioneller Haltung kauft, sollte auch berücksichtigen, dass dafür bis zu 15 kg Getreide verfüttert wurde und hier spielt leider aus Brasilien importierte gentechnisch manipuliertes Soja – für das vielfach Regenwald weichen musste – eine große Rolle und auch die Haltungsbedingungen von konventionellen Schweinen sind aus Tierwohl-Sicht alles andere als Nachhaltig. Wer also wirklich Wert auf nachhaltige und regionale Ernährung legt sollte auf saisonale Produkte biologische Anbauweisen setzen.

Mit einem lokalen und nachhaltigen Konsum können wir für das Klima, die Artenvielfalt und unsere Zukunft viel bewegen.

Markus Linder ist Entrepreneur und Early Stage Impact-Investor. Er gründete 2006 das SaaS Technologie-Unternehmen Zoovu und verantwortete als CEO die Skalierung des Unternehmens zum internationalen Marktführer.
2019 zog er sich operativ aus dem Unternehmen zurück und gründete 2020 inoqo. In einer Welt voller überflüssiger, falscher oder verschwommener Informationen will inoqo den Verbrauchern wissenschaftlich fundierte Daten über die ökologischen, sozialen und biodiversitätsbezogenen Auswirkungen bekannter Lebensmittelprodukte liefern. Unsere Mission ist es, allen dabei zu helfen, die täglichen Kaufentscheidungen und unsere Prioritäten in Bezug auf Nachhaltigkeit auszurichten, damit wir aktiv zu einem nachhaltigen Produktions- und Konsumkreislauf beitragen können.

inoqo verfügbar auf Apple App Store / Google Play Zugangscode: „JW4future“

Dein Gastbeitrag für den Blog!

Du hast einen interessanten Beitrag, den du mit jungen Unternehmerinnen und Unternehmern teilen möchtest? Wir freuen uns von dir zu hören!