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„Pizza & Spritzer“ mit … Andreas Treichl

Das neue Diskussions- und Netzwerkformat der Jungen Wirtschaft feierte seine Premiere und startete gleich mit einem Highlight: Erste Group CEO Andreas Treichl.

Christiane Holzinger mit Erste Group CEO Andreas Treichl im „Erste Financial Life Park“

Pizza & Spritzer ist die neue Eventreihe der JW, bei der wir uns mit Corporates, Politikerinnen und Politikern und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern zu unseren aktuellen strategischen Themen austauschen und diskutieren wollen.

Pizza & Spritzer – der Name ist Programm
Mit diesem Format möchten wir unseren Mitgliedern, Studentinnen und Studenten sowie Start-Up Unternehmern die Möglichkeit bieten, sich in entspanntem Flair bei den namensgebenden Spritzern und herzhafter Pizza mit jenen Persönlichkeiten in einem sehr privaten Rahmen auszutauschen.

Viele Themen erscheinen von außen oft „sperrig“. Das Ziel von Pizza & Spritzer ist, dass trockene Themen auf Augenhöhe besprochen werden und dass somit Verständnis aufgebaut oder vermittelt werden kann.

Gerade der Gesprächspartner soll Pizza & Spritzer nutzen können, um uns „seine Welt“ und die darin herrschenden Herausforderungen sichtbar und begreifbar zu machen. Zusätzlich hat er oder sie die Möglichkeit, mit uns seine Zielsetzungen und Visionen zu teilen und außerdem das eigene Unternehmen zu positionieren.

Der Erste CEO ganz persönlich
Mit der Premiere von „Pizza und Spitzer“ sollte dies gleich mit einem Big Player der österreichischen Wirtschaft möglich werden: Andreas Treichl, CEO der Erste Group.

In den Räumlichkeiten des „FLiP“ – des Erste Financial Life Park – stellte er sich meinen Fragen und jenen des interessierten Publikums. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten den sehr persönlichen Aussagen des CEOs lauschen, selbst Fragen stellen und sich vernetzen. Zugegeben – ein wenig aufgeregt war ich schon, einem der erfolgreichsten Manager unseres Landes in „seinen eigenen vier Wänden“ auch kritische Fragen zu stellen.

Management von der Spitze aus betrachtet
Andreas Treichl hat die Chance eindeutig genutzt: Wir erhielten einen Einblick in Andreas Treichls Verständnis von Mut, Unternehmertum, seine Sichtweise zu den Herausforderungen für den Standort Österreich und für unseren Kontinent sowie seine Position im Hinblick auf Steuergerechtigkeit. Besonders interessant waren vor allem die Schilderungen seiner schwersten und besten Momente als Erste CEO. Vom Expansionskurs zu Beginn seiner Funktionsperiode, über die Finanzkrise, bis zur Erfolgsgeschichte “George” im Onlinebanking der Erste Bank: Andreas Treichl ließ keine Fragen unbeantwortet.

Was wir für uns mitnehmen können
Die zentrale Message von Andreas Treichl ist eine, an der wir uns alle orientieren können: Man muss sich Ziele stecken und muss von den Entscheidungen, die man trifft, felsenfest überzeugt sein, um auch schwierige Phasen durchzustehen und zu meistern. Beeindruckt war ich vor allem von der Bodenständigkeit und gleichzeitigen Gelassenheit über die Andreas Treichl von positiven, als auch heiklen Situationen in seiner langen Laufbahn erzählte.

In seiner sehr selbstreflektierten Art brachte es der Erste Group CEO dabei mit dem Satz „Es wird gefährlich, wenn du glaubst du bist genial“ auf den Punkt. Einen der zentralen Erfolgsfaktoren seiner Karriere hat er sehr deutlich hervorgehoben: man braucht gute Mitarbeiter. Nämlich solche, auf die man sich verlassen kann und auf die man auch hören können muss. Denn neben den ganzen fachlichen Skills, und das hat Andreas Treichl betont, ist vor allem die Fähigkeit zuhören zu können jene, die ihn auf seinem Weg weitergebracht hat.

Für einen Kulturwandel in Österreich
Mangelnde Fehlerkultur und Risikoaversion – zwei Eigenschaften, die Andreas Treichl mit der österreichischen Mentalität verbindet. Das zeigt sich nicht nur im Hinblick auf ihre bevorzugte Art, ihr Geld anzulegen, sondern auch daran, wie in unserem Land mit Niederlagen umgegangen wird.

Dies muss sich seiner Meinung nach ändern, da mit einer solchen Einstellung das Potenzial unseres Landes in vielerlei Hinsicht nicht gehoben werden kann. Ein wesentlicher Schritt zur Selbstbefähigung der Österreicherinnen und Österreich in wirtschaftlicher Sicht, wäre für ihn auch die flächendeckende Einführung von Wirtschafts- und Finanzbildung ab der vierten Klasse Volksschule. Dafür wird er sich auch in seiner neuen Position (Anmerkung: er wird Anfang 2020 Aufsichtsratchef der gemeinnützigen ERSTE Stiftung) verstärkt auch auf politischer Ebene einsetzen. 

Ein Land in dem sich Leistung lohnt
Um Österreich nachhaltig zu verändern, ist es für CEO Treichl auch zwingend notwendig, Steuersätze zu senken. Würde den Österreicherinnen und Österreichern mehr „Netto vom Brutto“ bleiben, wäre die Motivation viel höher, sich anzustrengen, Neues auszuprobieren und damit im Endeffekt größeren Erfolg zu haben. Dieser Sichtweise kann ich nur zustimmen – wir brauchen steuerliche Anreize, damit sich Leistung und Fleiß lohnt und auch nachhaltig Werte geschaffen werden können.

Nach dem offiziellen Teil wurde bei Pizza & Spritzern noch weiter über die besprochenen Themen diskutiert.

Der Manager privat
In der Liga, in der Andreas Treichl spielt, werden natürlich immer mehr als 100 Prozent gefordert. Der Fleiß, die Disziplin und die Anstrengungen, die ein solches Leistungsniveau erfordern, machen auch einen Ausgleich notwendig. Kraft und neue Motivation holt er sich dabei durch die Zeit, die er mit seiner Familie verbringt. Vor allem in den schweren Zeiten der Finanzkrise gab sie ihm den Rückhalt, den er damals gebraucht hat.

Belesenheit gehört für Andreas Treichl ebenfalls zu seinem Erfolgs-Toolset. Im Gespräch darüber konnte ich ihm auch den Titel seines Lieblingsbuchs entlocken: Sapiens von Yuval Noah Harari. Die Frage, wie heutzutage mit Wahrheit umgegangen wird, beschäftigt den Erste Group CEO schon seit längerem und ist für ihn auch eine der zentralen Zukunftsfragen. Herausragende Erklärungskraft für die sogenannte „post truth era“, in der wir uns scheinbar befinden, hat für ihn das Buch „Savvy“ von Shiv Singh und Rohini Luthra, die in Fallbeispielen darlegen, wie groß der Einfluss von „Fake News“ oder „Fake Information“ bereits ist.

Pizza & Spritzer – to be continued
Die Premiere von Pizza und Spritzer war durch und durch ein voller Erfolg. Die Lebensphilosophie und die Grundprinzipien von Andreas Treichl sind in vielerlei Hinsicht Inspirationsquelle – wir brauchen mehr Entscheidungsträger wie ihn in unserem Land, damit wir zu einem fortschrittlichen und zukunftsbejahenden Standort werden. Ich möchte mich nochmals bei Andreas Treichl und der Erste Group für die Gastfreundschaft bedanken. Es war ein toller Abend mit interessanten Gesprächen.

Wir freuen uns schon drauf, im Herbst den nächsten hochkarätigen Gast begrüßen zu dürfen. Seid gespannt!

 

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